Traumjobs: Wunsch nach traditionellen Berufen überwiegt
OECD-Studie untersucht Berufswünsche von Jugendlichen und die Zukunft der Arbeit

 

Die weitreichenden Veränderungen der Arbeitswelt spiegeln sich bislang noch nicht in den Berufsvorstellungen vieler Jugendlicher wider. Auf die Frage, welchen Beruf sie erwarten im Alter von 30 auszuüben, nennen 15-Jährige in OECD-Ländern (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit 36 Mitgliedstaaten) überwiegend traditionelle Berufe wie Ärztin, Lehrer, Polizist oder Unternehmensmanagerin. Auch prägt die soziale Herkunft der Schüler*innen ihre beruflichen Erwartungen und Ambitionen stark. Dies ist das Ergebnis einer neuen, auf PISA-Daten beruhenden OECD-Studie.

„Dream Jobs? Teenagers' Career Aspirations and the Future of Work“ präsentiert die unterschiedlichen Berufsvorstellungen nach Geschlecht und sozialem Status und vergleicht die Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie mit denen der ersten PISA-Erhebung im Jahr 2000. Darüber hinaus beschreibt sie Diskrepanzen zwischen den Berufsvorstellungen und der Arbeitsmarktrealität. Für Regierungen und Arbeitgeber enthält die Studie Empfehlungen, um Schüler*innen möglichst früh ein umfassendes Bild von der Arbeitswelt zu vermitteln.

Die Studie zeigt, dass auch im Zeitalter sozialer Medien und künstlicher Intelligenz Jugendliche in den OECD-Ländern kaum Tätigkeiten anstreben, die mit der Digitalisierung entstanden sind, sondern vor allem etablierte Berufe. So nannten in der aktuellen PISA-Erhebung 47 Prozent der Jungen und 53 Prozent der Mädchen einen von zehn besonders häufig genannten Berufen. Damit hat sich die Fokussierung auf wenige Berufe seit PISA 2000 noch um einige Prozentpunkte erhöht. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz lässt sich eine verstärkte Fokussierung beobachten, allerdings sind die beruflichen Ambitionen hier insgesamt deutlich diverser als im Durchschnitt: Nur etwa vier von zehn Schüler*innen nannten einen der zehn am häufigsten genannten Berufe. In diesen Ländern hat sich vermutlich bewährt, dass Schulen frühzeitig Kontakte in die Arbeitswelt vermitteln.

Leistungsstarke Schüler*innen aus privilegierten Verhältnissen nannten im Schnitt viermal häufiger ambitionierte und mit höherer Bildung verbundene Berufsziele als Schüler*innen mit vergleichbaren Leistungen aus benachteiligten Verhältnissen. Jugendliche aus benachteiligten Verhältnissen hatten auch wesentlich häufiger eine falsche Vorstellung von dem für ihren anvisierten Beruf notwendigen Bildungsweg.

In Deutschland und Österreich fällt auf, dass besonders viele leistungsstarke Schüler*innen trotz ihrer schulischen Erfolge keine tertiäre, also höhere oder akademische Ausbildung anstreben. Hier mag eine Rolle spielen, dass in diesen Ländern auch die duale Ausbildung als gute Karriereperspektive wahrgenommen wird.

Auffällig ist außerdem, dass sich die Berufsvorstellungen zwischen den Geschlechtern weiterhin deutlich unterscheiden. Jungen, die bei PISA in Mathematik und Naturwissenschaften gut abschnitten, interessierten sich weit häufiger für einen Beruf im Bereich Naturwissenschaften oder Ingenieurwesen als Mädchen. Mädchen, die hier gut abschnitten, visierten häufiger eine berufliche Zukunft im Gesundheitswesen an.

Bald nicht mehr zeitgemäß?

Zu denken gibt, dass viele der genannten Berufe nicht nur traditionell, sondern möglicherweise schon bald nicht mehr zeitgemäß sind. Die OECD geht davon aus, dass 39 Prozent der genannten Berufe dem Risiko unterliegen, in zehn bis 15 Jahren durch Automatisierung wegzufallen. In Deutschland, Griechenland, Japan, Litauen und der Slowakischen Republik sieht man dieses Risiko bei mehr als 45 Prozent.

Entsprechend wichtig ist es, Schüler*innen frühzeitig ein Bild vom Wandel des Arbeitsmarkts zu vermitteln, etwa durch Praktika und andere Kontakte in die Berufswelt, Berufsberatung oder den Besuch von Jobmessen. Positiv ist, dass solche Aktivitäten heute häufiger stattfinden als noch vor 15 oder 20 Jahren. Dass dennoch nicht einmal 40 Prozent der befragten 15-Jährigen angeben, bereits eine Bildungsmesse besucht oder ein Praktikum absolviert zu haben, verdeutlicht den Bedarf, entsprechende Aktivitäten auszuweiten.