Unterricht: Loben bringt mehr als Tadeln
US-Studie der Brigham Young University zeigt: Motivierte Schüler arbeiten viel konzentrierter

 

Um das Verhalten in der Klasse zu verbessern, sollten Lehrer laut einer Studie der Brigham Young University http://byu.edu lieber Schüler für gutes Benehmen loben, anstatt sie bei Störungen zurechtzuweisen. Die Forscher haben drei Jahre lang 2.536 Schüler zwischen fünf und zwölf Jahren in drei US-Bundesstaaten beobachtet. Die Kinder konzentrierten sich 20 bis 30 Prozent mehr auf Aufgaben, wenn die Lehrer dazu aufgefordert waren, sich Gedanken über die Anzahl der lobenden Bemerkungen im Vergleich zu Zurechtweisungen zu machen.

Das Team hat den Unterricht von 151 Klassen in 19 Grundschulen in Missouri, Tennessee und Utah begleitet. In der einen Hälfte der Klassen setzten Lehrer das auf das Verhalten abzielende Interventionsprogramm CW-FIT ein. Dabei werden die Schüler darüber informiert, welche sozialen Fähigkeiten von ihnen in der Klasse erwartet werden und ein entsprechendes Verhalten belohnt. In der anderen Hälfte der Klassen lief der Unterricht wie gewohnt ab.

Laut den Experten besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem Verhältnis von Lob zu Rügen seitens der Lehrer und dem Ausmaß, in dem sich die Schüler auf die Aktivitäten in der Klasse konzentrieren. Je mehr die Lehrer lobten und je weniger sie tadelten, desto aufmerksamer folgten sie dem Lehrer oder arbeiteten an den gestellten Aufgaben. In Klassen, in denen dieses Verhältnis am größten war, konzentrierten sich die Kinder 20 bis 30 Prozent länger auf den Lehrer oder eine Aufgabe als in den Klassen, in denen dieses Verhältnis am kleinsten war. Dieser Zusammenhang bestand in beiden Gruppen.

Schwierige Schüler erreichen

Laut Forschungsleiter Paul Caldarella ist Lob eine Art des Feedbacks durch den Lehrer. Schüler brauchten dieses Feedback, um zu verstehen, welches Verhalten von ihnen erwartet und welches von Lehrern geschätzt wird. Auch als die Lehrer so viel lobten wie sie rügten, erreichte das konzentrierte Arbeiten an einer Aufgabe 60 Prozent.

"Wenn die Lehrer das Verhältnis von Lob zu Tadel auf 2:1 oder höher steigern könnten, würden sie weitere Verbesserungen im Klassenzimmer erleben", unterstreicht Caldarella. Die in "Educational Psychology" veröffentlichten Forschungsergebnisse legten nahe, dass Lob die Schüler dazu motiviert, mehr zu tun. Dies gelte vor allem für Kinder, die nur schwer zu erreichen seien, sich mit dem Stoff schwer tun oder gar stören.