Vor 200 Jahren: Vier Skandinavier bauten die preußische Marineausbildung auf
Drei Dänen und ein Norweger waren die ersten Direktoren der ersten preußischen Navigationsschule

(hrs) Die Ursprünge einer preußischen bewaffneten Marine gehen rund 350 Jahre in die Historie zurück. Eine kleine Zahl zunächst angemieteter Boote, die auf der Ostsee zur Abwehr von Schiffskaperungen eingesetzt wurden, erwarb 1684 der Große Kurfürst. Dieser träumte von einer größeren maritimen Flotte. Seine Nachfahren hielten von solchen Ideen wenig und bevorzugten den Schutz der Küsten durch ausländische Kriegsschiffe. Friedrich II. (der Große) war der Ansicht, Preußen dürfe sich niemals zum Aufbau einer Kriegsmarine verleiten lassen. Wohl aber förderte er die Entwicklung einer Handelsmarine, die in Form der kulturfördernden "Preußische Seehandlung" jedenfalls dem Namen nach, heute als Stiftung wirkend, die Zeitläufte überdauert hat.

Einflußreiche preußische Militärs ließen allerdings nicht locker in ihrem Bestreben, eine preußische Marine zu initiieren. Um Seefahrer selbst heranzuziehen, fiel im Sommer des Jahres 1817 der Startschuss zur Errichtung einer Navigationsschule.

Das erste Flagschiff der preußischen Kriegsmarine war der Schoner „Stralsund“

Als Folge des Wiener Kongresses waren Preußen die Küstengebiete Neuvorpommern und Rügen zugefallen – samt sechs Kanonenschaluppen. Als Flaggschiff der ersten preußischen Kriegsmarine lief ein Jahr darauf ein bewaffneter schnellsegelnder Schoner, getauft auf den Namen „Stralsund“, vom Stapel. Zur Küstenverteidigung. Gewissermaßen zugleich die erste „Gorch Fock“. Die ersten Pläne einer Kriegsflotte entwickelte der schwedische Marine-Lieutenant Dietrich Johann Longé, der 1815 in preußische Dienste trat.

Nun fehlte noch eine geeignete Ausbildungsleitung für die Navigationsschule. Gleichsam international schauten sich die preussischen Recruiter nach qualifizierten Personen um. Die erste Wahl fiel 1817 auf Ludolph Hermann Tobiesen, 1771 in Husum, damals zum dänisches Gesamtstaat gehörend, geboren. Tobiesen ließ sich an der Universität Göttingen zum Mathematiker ausbilden, war bald darauf erst Privatdozent an der Universität Kopenhagen, dann an der Handelsakademie Hamburg und schließlich an der Universität Kiel. Als ihn der Ruf ereilte, Professor für Mathematik und Direktor der neuen ersten preußischen Navigationsschule zu werden, arbeitete er als Mathematiklehrer in Altona, der seinerzeit größten dänischen Stadt der Herzogtümer Schleswig und Holstein.

„Einen besseren Leiter für diesen Zweig des Seewesens hätte man schwerlich finden können“

Vier Jahre später löste ihn Michael von Bille ab, Jahrgang 1769, ebenfalls ein Mathematiker. Aus einem dänischen Uradelsgeschlecht abstammend, gelang es unter dem Kommando von Bille, die Schule aus kleinen Anfängen über 40 Kadetten im Jahr 1827 auf bereits 115 vier Jahre später auszubauen. Als er 1838 die Aufgabe abgab, wurde ihm bescheinigt: „Einen besseren Leiter für diesen Zweig des Seewesens hätte man schwerlich finden können. Die dänische Herkunft war ihm kein Hindernis, seinen Amtspflichten mit Lust und Eifer zu obliegen… Die Schüler hingen an diesem Mentor ...“ In der dänischen Marine war er noch einige Jahre im Rang eines Konteradmirals tätig. In seine Zeit fällt die Gründung weiterer preußischer Navigationsschulen von 1827 bis 1831 in Königsberg, Memel, Stettin und Stralsund.

Auf Bille folgte von 1838 bis 1842 als Preußischer Navigationsdirektor in Danzig der norwegische Marine-Lieutenant Lous, der erneut von einem Dänen, dem Marinekapitän Baron Frederik Edwin von Dirckinck-Holmfeld (1802-1896), abgelöst wurde. Dirckinck-Holmfeld nahm bereits 1845 wieder seinen Abschied. Weiterhin traute man einheimischen Seeleuten die anspruchsvolle Aufgabe offenbar kaum zu: Der nächste Kommandaur war ein Niederländer, der Seeoffizier Jan Schröder.

Quellen:

  • Karl Hinrich Peter: Seeoffizieranwärter – Ihre Ausbildung von 1848 bis heute. 1969. Nachträge 1973, im Internet 2009
  • Batsch, Artikelserie „Zur Vorgeschichte der Flotte“, Marine-Rundschau 1897, S. 170/71
  • Wikipedia-Lexikon