Wie gelingt Unterricht, wenn die Schule geschlossen ist?
Erste Ergebnisse der Lehrkräftebefragung der Binational School of Education der Universität Konstanz

Mitte März wurden die Schulen in allen Bundesländern kurzfristig geschlossen, was den Lehrkräften nur wenig Zeit ließ, ihren Unterricht auf digitale Lehre umzustellen. Wie haben die Lehrkräfte diese Umstellung erlebt, wie sehr fühlten sie sich unterstützt und welche digitalen Medien nutzten sie, um mit ihren Schülerinnen und Schülern im Austausch zu bleiben? Das wollte ein Forschungsteam der Binational School of Education (BiSE) der Universität Konstanz wissen und befragte rund 400 Lehrkräfte überwiegend aus dem westlichen Bodenseeraum, informiert die Uni Konstanz in einer Pressemitteilung.

Vier von fünf Befragten arbeiteten ausschließlich im Homeoffice, 17 Prozent sowohl in der Schule als auch im Homeoffice und nur drei Prozent ausschließlich in der Schule. Neun von zehn Lehrpersonen gaben an, für ihre Arbeit unter den neuen Bedingungen technisch gut ausgerüstet zu sein. Positiv ist festzustellen, dass rund drei Viertel der Lehrkräfte angaben, einen ruhigen Arbeitsplatz zu haben sowie berufliche und familiäre Verpflichtungen gut miteinander vereinbaren zu können – und dies, obwohl 43 Prozent der Befragten selbst Kinder hat.

60 % nicht gut auf die Arbeit mit digitalen Medien vorbereitet

Gleichzeitig fühlten sich aber auch 60 Prozent der Lehrkräfte nicht gut auf die Arbeit mit digitalen Medien und einen vollständig digitalisierten Unterricht vorbereitet. „Dies ist ein Befund, der angesichts des bekannten digitalen Rückstands im deutschen Bildungssystem zwar wenig überrascht“, so der Konstanzer Wirtschaftspädagoge Prof. Dr. Stephan Schumann, Mitverfasser der Studie, „jedoch aufgrund der durch die Schulschließung ausgelösten digitalen Notwendigkeiten als äußerst ungünstig eingeschätzt werden muss.“ Der fehlenden Ausstattung und Vorbereitung begegneten die Lehrkräfte allerdings pragmatisch und proaktiv: 70 Prozent der Befragten sagten, dass ihnen bei technischen Problemen von privater Seite geholfen würde, durch Partner, Familienangehörige oder Freunde. Zugleich erfahren sie viel und zeitnah technische Unterstützung aus ihrer jeweiligen Schule.

Herausforderungen stellten sich für die Lehrkräfte vor allem in Bezug auf die Überprüfung des Lernfortschritts und auf die Selbstorganisationsfähigkeiten der Schülerinnen und Schüler, heißt es weiter. Viele sehen zudem einen deutlich höheren Zeitbedarf im Vergleich zum Präsenzunterricht. „Die Planung von Unterricht ohne Präsenz und Experimente ist für Lehrer gerade auch in naturwissenschaftlichen Fächern eine besondere Herausforderung“, gibt Dr. Möhrke, Mitverfasser aus der Fachdidaktik Physik, zu bedenken.

Die Hälfte der Lehrkräfte gab darüber hinaus an, dass die Lernenden die Unterstützung der Eltern zur Bewältigung der Aufgaben benötigen, wenngleich sie diese Unterstützung nicht per se miteinplanten. „Ähnliche Ergebnisse bezüglich der Unterstützung durch die Eltern zeigten sich auch in unserer Elternbefragung zum Heimunterricht“, fügt die Bildungsforscherin Prof. Dr. Axinja Hachfeld hinzu, ebenfalls Mitverfasserin der Studie. Welche langfristigen Änderungen sich im Hinblick auf die Gestaltung von Unterricht durch die Erfahrungen während der Schulschließungen ergeben, soll in einer weiteren Studie untersucht werden.