Wiedereinführung der Meisterpflicht für zwölf Handwerke
Qualität und Qualifikation im Handwerk sollen gestärkt werden

 

Am 9. Oktober 2019 hat das Bundeskabinett beschlossen, die Meisterpflicht für zwölf Handwerke wieder einzuführen. Damit sollen die Qualität und die Qualifikation im Handwerk gestärkt und die Strukturentwicklung im Handwerk und dessen Zukunft nachhaltig gesichert werden. Diesen Schritt begrüßen unter anderem Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier sowie Vertreter von IG BAU, vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) und vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).

Der Gesetzentwurf trägt der Tatsache Rechnung, dass sich das Berufsbild und auch der Schwerpunkt der praktischen Berufsausübung einzelner zulassungsfreier Handwerke seit der Novellierung im Jahr 2004 weiterentwickelt und verändert haben. Durch die Wiedereinführung der Meisterpflicht soll zudem die Ausbildungsleistung in den betroffenen Handwerken gestärkt werden.

Die Zulassungspflicht wird in folgenden Handwerken wieder eingeführt:

  1. Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
  2. Betonstein- und Terrazzohersteller
  3. Estrichleger
  4. Behälter- und Apparatebauer
  5. Parkettleger
  6. Rollladen- und Sonnenschutztechniker
  7. Drechsler und Holzspielzeugmacher
  8. Böttcher
  9. Raumausstatter
  10. Glasveredler
  11. Orgel- und Harmoniumbauer
  12. Schilder- und Lichtreklamehersteller

Ein Handwerk unterliegt der Meisterpflicht zum einen dann, wenn es sich um eine gefahrgeneigte Tätigkeit handelt und eine Reglementierung zum Schutz von Leben und Gesundheit erforderlich ist. Zum anderen rechtfertigt die Wahrung des materiellen und immateriellen Kulturerbes eine Reglementierung.

Der selbstständige Betrieb eines künftig zulassungspflichtigen Handwerks ist dann nur noch zulässig, wenn ein Betriebsleiter in der Handwerksrolle eingetragen ist. Eingetragen in die Handwerksrolle wird, wer die Voraussetzungen der §§ 7 ff. der Handwerksordnung erfüllt, d.h. insbesondere die Meisterprüfung in dem Handwerk bestanden oder eine sonstige Ausübungsberechtigung für das Handwerk erhalten hat. Für die bestehenden Betriebe, die die künftigen Voraussetzungen nicht erfüllen, gilt ein Bestandsschutz.

Tragende Säule des Mittelstands

Anlässlich der Kabinettsbefassung betonte Minister Altmaier: „Die rund eine Million Betriebe des Handwerks sind eine tragende Säule des Mittelstands. Das Handwerk ist innovativ, regional verankert und erschließt durch seine leistungsfähigen Unternehmen neue Märkte. Dies muss durch einen sachgerechten Ordnungsrahmen begleitet und zukunftsfest gemacht werden. Der Qualitätsstandard ‚Meister‘ steht im deutschen Handwerk für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft. Die Meisterpflicht macht Handwerksberufe zudem attraktiv für junge Menschen und ist die Voraussetzung für duale Ausbildungsleistung und Nachwuchsförderung."

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer erklärt: „Damit setzt die Bundesregierung den richtigen und notwendigen Akzent für mehr Qualität und Qualifizierung im Handwerk. Meisterinnen und Meister sorgen für Wissenstransfer, schaffen die Basis für nachhaltiges Unternehmertum und sind Vorbild für Auszubildende. Wissen und Können bleiben erhalten, kulturelle Schätze und traditionelle Techniken bewahrt. Das 'Ja zum Meister' ist vor allem auch ein klares Bekenntnis für mehr Verbraucherschutz."

Auch Dietmar Schäfers, Stellvertretender Bundesvorsitzender der Handwerksgewerkschaft IG BAU, unterstreicht: "Heute ist ein guter Tag für das Handwerk – für die Beschäftigten, für sauber wirtschaftende Betriebe und für die Kunden. Die Novelle der Handwerksordnung im Jahr 2004 war ein Fehler, der zu mehr Pfusch, Dumping-Wettbewerb und zum Rückgang der Ausbildungszahlen geführt hat. Die jetzt beschlossene Wiedereinführung der Meisterpflicht insbesondere bei Fliesenlegern und Lichtreklameherstellern war überfällig. Nun müssen weitere Berufe folgen. Das gilt vor allem für das Gebäudereiniger-Handwerk."

Fehlentwicklungen korrigieren

Seit Abschaffung der Meisterpflicht für insgesamt 93 Gewerke in 2004 habe es eine extreme Zunahme von Ein-Mann-Firmen im Fliesenlegerbereich mit Kombiwagen und Do-it-yourself-Know-how gegeben. Die Zahl der Betriebe in der Branche wuchs von 12.400 Ende 2003 auf 69.300 Ende 2018 – eine regelrechte Explosion. "Gleichzeitig haben wir eine Implosion der Qualität erlebt. Das Schlagwort vom 'Pfusch am Bau' bringen sehr viele Menschen zuerst mit dem Fliesenleger-Solo-Unternehmer in Verbindung", so Schäfers.

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), erklärt in seinem Statement zum vom Bundeskabinett verabschiedeten Gesetzentwurf zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in den Gewerken Fliesenleger, Estrichleger, Betonstein- und Terrazzohersteller sowie Parkettleger: „Wir begrüßen diesen Kabinettsbeschluss sehr; damit ist der Weg frei, die Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu korrigieren. Damit stärkt die Bundesregierung die duale Ausbildung in wichtigen Bauberufen. Denn nur ausgebildete Meister und Meisterinnen sind in der Lage, jungen Menschen ihr Wissen zu vermitteln. Die guten Perspektiven, die junge Menschen haben, wenn sie sich für einen Beruf in der Bauwirtschaft entscheiden, werden damit noch besser. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher sind zukünftig vor unqualifizierten Anbietern geschützt. Nun muss der Gesetzentwurf möglichst zügig im Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden, damit das Gesetz zum 1. Januar 2020 in Kraft treten kann.“