Gemeinsam mit dem Unternehmensverband Unterelbe-Westküste (UVUW) hat das IfT Institut für Talententwicklung 2026 den regionalen vocatium Ausbildungspreis für die Westküste ausgeschrieben. Das Motto: „Warum ich meine Ausbildung liebe?“

Bis zum 31. März 2026 waren die Auszubildenden in der Region dazu aufgerufen, kurze Texte (Umfang ca. 1 DIN-A4-Seite) zu verfassen, in denen sie davon erzählen, warum sie sich für ihre Ausbildung bzw. das Berufsziel entschieden haben und was sie daran besonders lieben. 

Vielen Dank an alle Autorinnen und Autoren sowie Betriebe und Institutionen, die sich an unserem Wettbewerb beteiligt haben. Die glücklichen Sieger/innen wurden am 27. Mai im Rahmen der vocatium Husum/Westküste geehrt.


  • 1. Platz: Michelle Kirchner, Verwaltungsfachangestellte
    Stadt Husum
    Preisgeld: 500 €
     
  • 2. Platz: Carl-Richard Günther, Schiffsmechaniker
    Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH
    Preisgeld: 400 €
     
  • 3. Platz: Amy Reimers, Verwaltungsfachangestellte
    Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen
    Preisgeld: 350 €
     
  • 4. Platz: Joshua Grümmer, Elektroniker für Betriebstechnik 
    Holcim (Deutschland) GmbH
    Preisgeld: 250 €

    Viel Freude beim Lesen der Siegertexte!

Es wird gesagt, Magie ist laut, bunt und auffällig. Doch Lexus hat in seiner Lehrlingszeit gelernt, dass die wohl mächchtigste Magie der Welt eine leise und unauffällige ist: die Verwaltung.

In der Akademie von Hüsem galten nur zwei Arten von Magiern als angesehen: jene, die erschaffen konnten und jene, die heilen konnten. Dann gab es noch die Ungesehenen: die Verwaltungsfachangestellten. Zu ihnen wollte man wahrlich nicht gehören und dennoch wurde Lexus jenen nach seiner Magie-Einstellungsprüfung zugeordnet. Es wurde ihm keine Waffe, kein Begleittier und auch kein Elementargeist anvertraut, stattdessen saß er im Archiv der Welt, einem schier endlosen Labyrinth aus Regalen, in welchen jedes Reich, jeder Zauber und jede Grenze verzeichnet war. Die anderen Lehrlinge nannten es spöttisch „Papierpalast“. Lexus war selbst einer, der es so nannte, aber die Nacht des schwarzen Kometen sollte alles verändern. Er saß nichtsahnend an seinem Schreibtisch im Archiv, als die Bücher plötzlich zu flüstern anfingen. Die Luft im Archiv fühlte sich unerwartet eisig an und aus einem verstaubten Registerband kroch ein großer, tiefschwarzer Schatten hervor, welcher beim näheren Betrachten aus ehemaligen Gesetzen und vergessenen Paragraphen zusammenflickt zu sein schien. „Anarchion“, flüsterte Lexus panisch.

„Die Welt ist müde von Regeln“, raunte es durch das Archiv.

Lexus wollte fliehen, als plötzlich der Erzverwalter neben ihm erschien. Er ist ein uralter Magier mit einer Robe aus Pergament und einem Stab aus leeren Kugelschreibern. „Du bist Verwaltungsfachangestellter“, sagte er ruhig „du musst sehen, was du verwaltest.“ Mit einer einzigen Handbewegung öffnete er ein Register. Lexus sah ein Reich ohne Verwaltung: Zauberer sprachen unerlaubt Beschwörungen, weil keine Anträge bearbeitet wurden, magische Ressourcen wurden gehortet, weil niemand sie zuteilte und Bündnisse zerfielen, weil Verträge nie aufbewahrt wurden. „Ein Reich ohne Ordnung ist pures Chaos“, flüsterte der Erzverwalter. Dann öffnete er ein zweites Register, in welchem die Verwaltung existierte: Beschwörungen waren genehmigt, Menschen wussten, was ihnen zustand, weil es niedergeschrieben war und Bündnisse hielten, weil ihre Eide versiegelt und archiviert wurden. „Nur durch Verwaltung kann Ordnung hergestellt und Chaos besiegt werden“, sagte er lächelnd.

Doch während Lexus die Registerwelten betrachtete, wuchs Anarchion und fraß etliche Einträge aus der Weltchronik. Mit jedem gelöschten Kapitel brach ein Gesetz und mit jedem zerrissenen Vertrag zerfiel der Frieden. Die Chroniken begannen zu beben und die herrschende Ordnung drohte zu verschwinden. „Du hast zwar keinen Kampfzauber, aber du hast etwas Gefährlicheres“, sagte der Erzverwalter und reichte Lexus Feder und Siegel. Lexus begann zu schreiben. Er stellte verlorene Zuständigkeiten wieder her, versiegelte Bündnisse und trug Fristen in den Sternenkalender ein. Jedes Wort war ein Bannspruch und mit jedem Verwaltungsakt schrumpfte der wütende Anarchion, bis er nur noch ein kleiner Tintenfleck war. Ein letzter Schrei war zu hören, als Lexus ihm einen Eintrag zuwies: „Vorgang abgeschlossen.“ Am nächsten Morgen lachten die anderen Lehrlinge erneut: „Na, du Verwaltungsfachangestellter, hast du wieder Staub katalogisiert und Kaffee getrunken?“ Lexus antwortete nicht, denn er wusste nun, dass nicht jede Magie erschafft, heilt oder zerstört. Die mächtigste Magie ist die, die niemand bemerkt, weil sie Chaos verhindert, bevor es entsteht.

Deshalb liebe ich meine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Denn im Gegensatz zu den meisten Vorurteilen ist es keine trockene und überflüssige Bürokratie, sondern vielseitige Magie, die ein geordnetes Zusammenleben erschafft. So unsichtbar Verwaltung auch wirkt, sie ist das Rückgrat der Gesellschafft und rettet jeden Tag die Ordnung der Welt.

Zur Originaleinreichung

Tiefblaue Wellen, mit weißer, aufbrausender Gischt, welche sich an den Felsen auf Amrun brechen. Ein aufrüttelnder Stoß und unser Schiff legt an. Ich belege den Poller mit Tauwerk und höre die Rampe knallen und einrasten.

Vor einem Jahr saß ich um diese Uhrzeit in der Schule, weit weg in Thüringen und befasste mich damit, uralte Gedichte zu interpretieren. Niemals hätte ich gedacht, jetzt hier, auf dem Wattenmeer, zu sein. Schon immer wollte ich zur See fahren, weil ich schon solange ich denken kann von großen Schiffen fasziniert bin. Die größten beweglichen Objekte der Menschheit können einen doch nur magisch anziehen! 

Aber ich dachte immer, den Weg zur See würde ich über ein Studium bestreiten. Persönlich hatte ich nie vor eine Ausbildung zu beginnen. Von einer Ausbildung versprach ich mir harte und lange Arbeitstzeiten, vorgesetzte Ausbilder mit welchen man sich auseinandersetzten muss und ein Berufsschulaltag, von welchem ich keine positive Vorstellung besaß.

Ausbildungen haben bei vielen Personen meines Alters einen schlechten Ruf und die meisten versuchen irgendwie auf Biegen und Brechen in ein Studium zu gelangen. Genau so war es mein Plan, bis zu einem Gespräch mit dem Berufsberater der Schule. Dieser regte mich an vielleicht die Ausbildung zum Schiffsmechaniker anzufangen und anschließend zu studieren. Im Nachhinein war dies eine geniale Empfehlung.

Meinen Beruf betreffend bietet meine Ausbildung unglaubliche Vorteile. Ich erlange mehrere Zertifikate, Paxiszeit auf See und umfangreiches Vorwissen. Dies erleichtert mir das spätere Studium zur Nautik ungemein. Der Erfahrungsschatz, welchen ich aus der Decks- und Maschinenarbeit eines Schiffsmechanikers mitnehme ist unbezahlbar. Ich möchte später so weit wie möglich, auf einer Wellenlänge, mit meinen Maschinisten und Matrosen an Bord über Probleme sprechen können.

Aber abgesehen von diesen Vorteilen für meine Zukunft betrachte ich die Ausbildung auch für mein jetziges Ich als äußerst vorteilhaft. Statt mich in einer Universität um dutzende Klausuren kümmern zu müssen oder ein Jahr als „Pause“ nichts zu machen, übernehme ich Verantwortung für mich selber und meine Kollegen an Bord. Sei es unser Steuermann, welcher sich darauf verlässt, dass ich die Vierzigtonner richtig auf dem Autodeck einweise, der Maschinist, welcher mir beim peilen der Ölstände an den Hauptmaschinen vertraut, der Kapitän, unter dessen Aufsicht ich unser vollbeladenes Schiff ruhig durch die Wellen steuere oder einfach die tausenden Passagiere welchen ich Tag für Tag für Fragen zur Verfügung stehe. 

Ich liebe wirklich, helfen zu können und mich im Rahmen meiner Möglichkeiten nützlich zu machen, weil ich weiß, dass mein Einsatz geschätzt wird. All dies macht mich wirklich stolz auf meine Arbeit und ist ein gutes Gefühl.

Und abseits der Arbeit? In meiner Freizeit besitze ich endlich das Geld um mir kleinere Wünsche zu erfüllen, einmal im Jahr in den Urlaub zu fahren oder mein musikalisches Hobby zu finanzieren. Klar, es ist nicht unbedingt viel Geld und von Ausbildung zu Ausbildung unterschiedlich, aber es ist besser als nichts und ein wirklicher Einstieg in das erwachsene Leben. Man wird reifer und es macht Spaß kein bloßes „Schulkind“ mehr zu sein. 

Zur Originaleinreichung

Ich bin in meine Ausbildung gestartet und habe schnell gemerkt, dass das hier weniger Büro und mehr Einstieg in die angewandte Alltags-Anomalien-Forschung ist.

Angefangen in der Zuständigkeitsgeometrie, einem Feld, in dem Wege selten geradeaus führen und jede Anfrage mindestens drei mögliche Abteilungen hat – keine davon offiziell zuständig.

In der Rechtsgrundlagenmetaphysik erlerne ich die Kunst, Paragraphen so zu interpretieren, dass sie gleichzeitig gelten, nicht gelten und vielleicht gelten, je nachdem, wer fragt.

Ich erlebe die Prioritätenquantentheorie, in der ein Vorgang gleichzeitig „nicht eilig“ und „sofort“ sein kann – bis ein Anruf eingeht, der die Realität neu sortiert.

 Ich erlerne die IT-Wundheilkunde, wo Programme nur funktionieren, wenn man sie nicht anschaut. Und wo ein „Neustart“ als spirituelle Praxis gilt.

In der Fristenchronologie trainiere ich das Zeitgefühl eines Historikers und die Reaktionsgeschwindigkeit eines Rettungssanitäters.
(Denn Fristen sind wie Naturgesetze… unverrückbar, unerbittlich und erstaunlich flexibel, wenn man die richtige Rechtsgrundlage findet).

Und natürlich studiere ich die Druckerphänomologie, die älteste Kunst der Verwaltung: Der Drucker druckt, wenn er möchte, nicht wenn man ihn braucht. Ein Gerät mit Persönlichkeit und fragwürdigen Prioritäten.

Doch hinter all diesen „Wissenschaften“ steckt mehr als nur Büroalltag, etwas, das man nicht studieren kann – Geduld, Humor und die Fähigkeit, Chaos in Ordnung zu verwandeln und Menschen das Gefühl zu geben, dass sie hier richtig sind.

Warum ich meine Ausbildung liebe?

Weil ich jeden Tag lerne, dass Verwaltung viel mehr ist als nur Routine – ein Abenteuer mit dem Ziel, Ordnung in eine Welt zu bringen, die selten ordentlich ist.

Und genau das ist es, was meine Ausbildung für mich so wertvoll macht.

Verantwortung, die man nicht nur trägt, sondern lebt.
Empathie, die man gibt, wenn andere sie brauchen.
Respekt, der jedem Menschen zusteht.
Würde, die man schützt, auch in leisen Momenten.
Aufbruch, für Menschen die in einer Lebenslage feststecken.
Licht sein, wenn jemand im Dunkeln steht.
Transparenz, die Vertrauen schafft.
Unterstützen, wenn die Welt zu schwer wird.
Neuanfänge möglich machen.
G Gerechtigkeit leben, nicht nur verwalten.

Zur Originaleinreichung

Schon in meiner Schulzeit habe ich an elektrotechnischen Projekten gearbeitet. Es waren kleine Versuche, viele Fehler und leise Erfolge, oft dann, wenn der Tag eigentlich schon vorbei war.

Mein erstes richtiges elektrotechnisches Projekt war ein selbstgebautes RC-Auto. Es war nicht perfekt und nicht besonders schnell, aber es fuhr. Und genau in diesem Moment wusste ich, dass ich diesen Weg weitergehen will. So führte mich mein Weg zur Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik.

Heute arbeite ich bei Holcim an einem Ort, an dem Anlagen laufen müssen, weil sonst alles stillsteht. Ich prüfe Schaltungen, messe Spannungen, suche Fehler und versuche, Ordnung in Systeme zu bringen, die manchmal nur noch aus Signalen und Störungen bestehen. Als meine Ausbildung endlich begann, stand ich unter voller Spannung. Nicht nur wegen der Elektrizität.

Sondern, weil ich Angst hatte, meinen eigenen Erwartungen nicht zu genügen. Weil ich wusste, wie viel mir dieser Platz bedeutet.In meiner Ausbildung übernehme ich Verantwortung für Maschinen und Anlagen. Ich arbeite mit Schaltplänen, Steuerungen und Messgeräten und oft beginnt meine Arbeit genau dort, wo etwas plötzlich nicht mehr funktioniert. Für andere ist es ein Ausfall. Für mich ist es ein stilles Rätsel.Was ich an meiner Ausbildung liebe, ist dieser Moment, wenn nach vielen Messungen wieder Leben in eine Anlage zurückkehrt. Wenn ein Signal ankommt. Wenn ein Motor wieder anläuft.

Dann wird es für einen Augenblick ruhig in mir.Vom selbstgebauten RC-Auto bis zu meiner Ausbildung bei Holcim war es kein gerader Weg. Aber es war meiner.

Und genau deshalb liebe ich meine Ausbildung.

Zur Originaleinreichung

 

Das waren die Einsendevorgaben für 2026

  • Text zum Thema "Warum ich meine Ausbildung liebe?"
  • Umfang: 1 DIN-A4-Seite (max. 550 Wörter)
  • Mitmachen konnten Auszubildende eines Ausbildungsbetriebes im gesamten Verbandsgebiet des UVUW, dazu zählen u. a. die Lankreise Nordfriesland und Dithmarschen
  • Einsendeschluss war am 31. März 2026
  • Format: pdf-Datei

Bewertungskriterien

  • Kreativität/Originalität
  • roter Faden
  • Aussagekraft

Formelles

Mona Wittelmann
Projektleiterin vocatium Wettbewerbe
+49 40 226909812

Fenja Wegner
Projektmitarbeiterin vocatium Wettbewerbe
+49 69 95425517

Heike Thomsen
Projektleiterin vocatium Westküste/Husum
+49 4882 6059221

ausbildungspreis@if-talent.de


Die Teilnehmenden am regionalen Schreibwettbewerb nahmen automatisch auch am bundesweiten vocatium Ausbildungspreis teil.