30 Jahre Internationaler Gesangswettbewerb Rheinsberg
Förderung junger Opernsänger / Weltweit gute Resonanz

(hrs) Singen beschwingt, erhält die Gesundheit und kann sogar zerstrittene Nationen vereinen. Junge Sängerinnen und Sänger aus aller Welt bringen mit Stimme, Mimik und Gestik zum Ausdruck, was in ihnen steckt, und verzaubern jährlich viele tausend Menschen während des Festivals der Kammeroper Schloss Rheinsberg. Sie wetteifern um einen Preis des alljährlichen Internationalen Gesangswettbewerbs, der seit 1990 dargeboten wird. Im Jahr 2020 findet er zum 30. Mal statt. Mehrere hundert Nachwuchskünstler bewerben sich eins um das andere Mal um die längst auf allen Erdteilen in der Musikszene anerkannte Auszeichnung. In einer Vorentscheidung in der Berliner Universität der Künste, in Moskau und auch schon mal in Toronto werden unter etwa 400 Besten die Top 50 ausgewählt. Erfahrene Regisseure, Dirigenten, Gesangspädagogen und Repetitoren üben mit den jungen Talenten ihre Rollen ein.

Ehemalige Preisträger stehen heute auf den großen Bühnen: an der MET in New York, an der Mailänder Scala, in Covent Garden London, am Teatro Colon in Buenos Aires und natürlich an den Opernhäusern in Deutschland.

Aufbegehren. Aufbruch. Auftakt zu Neuem

Rheinsberg. Das ist auch ein Ort, der seit knapp 300 Jahren ein Fluidium von der Leichtigkeit des Seins ausstrahlt. Mit einem gehörigen Schuss 68er-Mentalität. Aufbegehren. Aufbruch. Auftakt zu Neuem. Die jungen Leute Kurt und Else, unverheiratet, sie eine junge, emanzipierte Medizinstudentin, pfeifen auf verstaubte Konventionen, als sie sich 1911 drei Sommertage der Zweisamkeit auf Spaziergängen und im Hotel unweit des Schlosses Rheinsberg gönnen. Ihre Liebesgeschichte ist von Kurt Tucholsky, dem anderen Beteiligten, mit Unterstützung seiner Partnerin zu einem Stück Weltliteratur verarbeitet worden. Rheinsberg – ein Bilderbuch für Verliebte.

Über 150 Jahre früher verbringt Fritz, bald darauf zum preußischen König Friedrich erhoben, im Alter von Mitte zwanzig im idyllisch am Grienericksee gelegenen brandenburgischen Städtchen die vier schönsten Jahre seines Lebens. Er komponiert seine erste Symphonie; hätte er in der Gegenwart gelebt, wäre es vielleicht eine Rock-Oper geworden. Er sinnt über die Aufgaben und Pflichten von Staatsmännern nach. Konflikte zwischen Staaten, schreibt er nieder, sollten nicht mit dem Schwert, sondern vor Gerichtshöfen ausgetragen werden.