Mit 30 Jahren erste eigene Schule gegründet
Friedrich Fröbel: Nach mehreren Berufsversuchen sah er sich im Unterricht in seinem Element

(hrs) Der Pädagoge Friedrich Fröbel (1782-1852) hatte gerade sein 30. Lebensjahr überschritten, da begründete er unter dem anspruchsvollen Namen "Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt" im Dorf Griesheim, 40 Kilometer südlich von Erfurt gelegen, seine erste eigene Schule für Kinder.

Nach einer Feldmesser-Lehre, dem Studium der Naturwissenschaften sowie Tätigkeiten als Forstamtsschreiber und Privatsekretär wollte Fröbel im Alter von 23 Jahren auf seinem Karriereweg gerade ein Studium zum Baumeister in Frankfurt aufnehmen, da brachte ihn ein langes Gespräch mit einem Pädagogen zu der Erkenntnis: Mein Geschäft, zu dem ich geboren bin, ist der Lehrer: "Ich befinde mich, wenn ich in den Unterrichtsstunden bin (...) wie in meinem Element", bekannte er etwas später seinem Bruder Christian in einem Brief.

Dieser Bruder war es, der zwei seiner Söhne 1813 Friedrich Fröbel zur Erziehung anvertraute. Drei weitere Kinder, ebenfalls Neffen, bildeten den Grundstock zu seinem am 13. November 1813 im Pfarrhaus von Griesheim gestarteten ersten eigenen Erziehungsunternehmen.

Bis zu seinem Hauptprojekt, für das Fröbel heute vor allem, bis nach Amerika, bekannt ist, der Begründung von Kindergärten, verging noch ein gutes Vierteljahrhundert. Die Aufgabe der Erziehung junger Menschen ergriff und erfüllte alle Fasern seiner Seele. Mit 35 Jahren schrieb er nieder, dass die Bildung zur persönlichen Einheit das Ziel der Pädagogik sei. "Soll Einheit sich entwickeln, so muss es in, durch und an Entwicklung der Mannigfaltigkeit geschehen (...)." Sein eigener Weg zu seiner Berufung, dem Lehrerberuf, wird ihm bei diesem Gedanken direkt vor Augen gewesen sein.

Fröbel konzipierte nach und nach mehrere Schulen: Im thüringischen Dorf Helba bei Meiningen wollte er 1828 eine "Volkserziehungsanstalt" aufbauen, eine Art Grundschule, auf die eine höhere Lehranstalt folgt. Für junge Menschen, die einer praktischen Tätigkeit zustreben, erdachte er gleichsam eine Berufsschule, eine "Erziehungsanstalt für Kunst und Gewerbe". In diesem Kontext verwendete er auch den Begriff der "polytechnischen Schule".

Junge Menschen wissen zu wenig von ihrer Mündigkeit

Friedrich Fröbel ging es wesentlich darum, die jungen Menschen im "Vorwärts-Gehen und Schreiten", in ihrer Entwicklung, zu unterstützen. Ihn erfüllte der Gedanke an die bewusste Erziehung, die zum bewussten Handeln befähigt: "Der Mensch ist bestimmt, mit Bewusstsein und Vernunft sein Wesen zu entwickeln, auszubilden und darzustellen." Das Ziel sei immer, "freie, denkende, selbsttätige Menschen" zu bilden. Fröbel bemängelte, viele Menschen wüchsen "in Beziehung auf sich selbst" und auf ihre Entwicklung "viel zu unbewusst", zu "unachtsam", heran. "Sie wüssten", fasst es die Fröbel-Kennerin Rosemarie Boldt in einem Aufsatz über den Pädagogen zusammen, "zu wenig von der 'Mündigkeit' für sich selbst und für andere."

Quellen:
Matthias Brodbeck, Gedanken zu 200 Jahre "Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt" Griesheim: http://www.froebeldekade.de/files/1586CED34F4/200_Jahre_Griesheim.pdf
Rosemarie Boldt, Friedrich Wilhelm August Fröbel, in: Fröbels Kindergarten, Ein Zukunftsmodell aus der Vergangenheit, Bad Blankenburg 2015